ControlTL
Eigentlich kann doch ControlTL gar nicht funktionieren, oder? Betrachten wir die am kompliziertesten zu erklärende, am schwierigsten zu verstehende, aber am einfachsten zu bedienende Funktion etwas näher.
ControlTL bietet zwei unterschiedliche Modi
- HyperSync Modus.
- HighSpeed Modus.
Basis: X-Synchronisation
Die "normale" X-Synchronisationszeit (X-Sync) ist die kürzeste Belichtungszeit, bei der die gesamte Fläche eines Bildsensors (gerade noch) vollständig freigegeben wird. Im Moment der vollständigen Öffnung wird der Blitz gezündet und der Sensor wird (vom zusätzlichen Blitz) belichtet.
Noch kürzere Belichtungszeiten werden realisiert, indem der 2. Verschlussvorhang den Sensor bereits vor der vollständigen Freigabe durch den 1. Verschlussvorhang beginnt zu schließen. Der gezündete Blitz würde den Sensor nicht vollständig belichten können. Der bekannte "schwarze Balken" auf dem Foto ist die Folge.
HighSpeed Synchronisation
Der HighSpeed Modus (HSS - High Speed Synchronisation, gelegentlich auch als FP-Blitzen bezeichnet) verhindert den "schwarzen Balken" durch eine künstliche Verlängerung der Blitzleuchtdauer durch mehrmaliges Zünden des Blitzes und erreicht dadurch -trotz des nie vollständig geöffneten Schlitzverschlusses- die vollständige Belichtung des Sensors.
Da der Blitz in sehr schneller Folge gezündet wird, ist das mehrfache Blitzen kaum wahrnehmbar. Verbunden ist dies aber mit einer deutlichen Reduzierung der Blitzleistung. Der HighSpeed Modus wurde von dem auf Lichtimpulsen basierenden Canon - Blitzsystem bisher bereits unterstützt, neu ist die aber Möglichkeit zur HSS beim Einsatz von Funkauslösern. Die Auslösegeschwindigkeit, ab der die HighSpeed Synchronisation genutzt wird, ist über das PocketWizard Utility einstellbar (mehr dazu später) und liegt sinnvollerweise eine Stufe über der möglichen HyperSync-Geschwindigkeit.
HyperSync
Der HyperSync-Modus erweitert die Beschränkung der modellspezifischen Blitzsynchronisationszeit auf bis zu 1/500 Sek, ohne jedoch die bei HighSpeed typische Reduzierung der Blitzleistung in Kauf nehmen zu müssen. Für das oben definierte Ziel der Freistellung eines Subjekts ist er daher "die erste Wahl".
Möglich wird HyperSync durch die Veränderung des Auslösezeitpunkts zur Zündung des Blitzes.
Da die Synchronisation einer Kamera in der Kombination mit unterschiedlichen Blitzen funktionieren soll, müssen Toleranzen zugelassen werden. Diese Toleranzen werden nun von HyperSync genutzt, um die Blitzsynchronisation bei weiter verkürzten Belichtungszeiten zu ermöglichen (daher besteht eine direkte Abhängigkeit zwischen dem eingesetzten Equipment und der tatsächlich erreichbaren Synchronisationszeit). Dazu wird über das PocketWizard Utility der sogenannte "HyperSync Offset" eingestellt. Dieser Wert ermöglicht eine Veränderung des Zeitpunktes der Blitzauslösung nach vorne, also vor der "eigentlichen" Zündung. Diese Funktion wird dann in den Funktionsbeschreibungen mit "faster-than-a-wire", also "schnellere Auslösung als mit einem Kabel" beschrieben. Der Blitz wird vor dem eigentlichen von der Kamera bestimmten Auslösezeitpunkt gezündet. So wird "zusätzliche Zeit" zur Belichtung des Motivs gewonnen.
Das nachstehende Oszilloskop-Bild zeigt die "Vorverlegung" des blitzauslösenden Impulses bei unterschiedlichen Belichtungszeiten. Die lila Kurve des X-Sync Signals zeigt den Standard-Auslösezeitpunkt.

Darstellung des HyperSync Offset bei unterschiedlichen Belichtungszeiten (Grafik: Basis LPA Design)
Weiterhin besteht eine direkte Abhängigkeit von folgenden equipmentspezifischen Parametern:
- Zeitspanne bis zum "Hochfahren" des Blitzes (Erreichen der "vollen" Leuchtstärke).
- Abbrenn- bzw. Leuchtdauer des Blitzes.
- Absolute Geschwindigkeit des Schlitzverschlusses "über Sensorfläche" (Vollformat - Crop).
- Übertragungszeit des Auslösesignals zur Zündung des Blitzes.
Wer sich die ControlTL - Funktion und die prinzipielle Arbeitsweise eines Schlitzverschlusses noch einmal verdeutlichen will, findet auf der Webpräsenz von LPA Design ein wirklich empfehlenswertes Video (in Englisch).
PocketWizard Utility
Die Einstellungen zum Hypersync Offset erfolgen über das PocketWizard Utility. Dazu wird der MiniTT1 oder der FlexTT5 per USB-Kabel mit einem Computer verbunden. Die Anwendung ist für Mac- und Windowscomputer verfügbar.

Einstellung des HyperSync Offset im PocketWizard Utility per Schieberegler oder numerischer Eingabe
Der HyperSync - Wert 0 zündet den Blitz zum "normalen" Zeitpunkt, die Verschiebung des Wertes auf einen negativen Wert (in Millisekunden) erreicht eine entsprechend frühere Auslösung. Der Hersteller liefert für die Einstellung der unterschiedlichen Kameramodelle Orientierungswerte. Die empfohlenden Standardwerte sind hier zu finden. Der optimale Wert kann nur per "Versuch und Irrtum" ermittelt werden.
Die im Vergleich zur Crop-Kamera deutlich größere Fläche eines Vollformatsensors hat zur Folge, dass die maximale X-Sync-Zeit systembedingt niedriger ist (z.B. 5DII =1/200 Sek, 50D=1/250Sek). Entsprechend geringer ist der mögliche Zugewinn bei der Nutzung von HyperSync. Sehr anschauliche Beispiele einer "Testserie" mit der Canon EOS 5D MarkII hat Rob Galbrigth in seinem Testbericht zu den PW veröffentlicht. Es ist aber zu beachten, dass er bei seiner Testserie keine Systemblitze, sondern das "Dyna-Lite Arena Series Pack" genutzt hat!
Konfigurationsmöglichkeiten über das PocketWizard Utility
Die Funkauslöser verfügen jeweils über einen Schiebeschalter mit mit drei Schaltpositionen: Off - C1 - C2. Die Stellungen C1 und C2 stehen nicht direkt für unterschiedliche Sende- und Empfangskanäle, sondern ermöglichen den Abruf von gespeicherten Konfigurationen. Dies kann natürlich auch die Kanalbelegung sein (was meist auch sinnvoll sein wird), eine Konfiguration besteht aber auch aus weiteren Voreinstellungen, wie z.B. den vorstehend beschriebenen HyperSync Offset -Wert, Einstellungen zur Energiesparung oder die Grenzwertangaben für die HSS. Weiterhin kann das Utility zum Laden und einspielen von Firmwareupdates genutzt werden. Wichtig ist natürlich immer, dass alle PW identische Kanalbelegungen aufweisen. Nach etwaigen Veränderungen sind alle Geräte entsprechend zu konfigurieren.
Kompatibilität mit anderen PocketWizards
Die HyperSync-Funktion ist eine Funktion des Senders (das kann der TT5 oder der TT1 sein). Wird einer dieser Sender in Kombination mit einem "Standard"-PocketWizard Empfänger, wie beispielsweise dem PW II plus oder dem Multimax eingesetzt (wobei die ersten vier Kanäle identisch belegbar sind,) ist HyperSync auch möglich. Natürlich mit der Einschränkung, dass die E-TTL-Blitzbelichtung nicht funktioniert und die Blitzstärke manuell geregelt werden muss. Es können hierbei beliebige (Studio)Blitze zum Einsatz kommen.
Die HighSpeed Synchronisation ist nur bei der Nutzung von Mini/Flex - Geräten auf der Kamera und als Empfänger, bei gleichzeitiger Nutzung von Canon Systemblitzen mit HSS-Funktion möglich.
Blitz auch "auf der Kamera"
In beliebiger Kombination können die Canon Systemblitze in den FlexTT5- und den MiniTT1- Blitzanschluss eingesetzt werden. Sitzt ein Blitz auf dem Sender, kann die Blitzverteilung (Zuordnung zu den Blitzgruppen) darüber geregelt werden. Dies gilt auch für die Nutzung des Canon ST-E2. Die Remotefunktionen (steuerungssignale per Licht) können aber nicht parallel genutzt werden, so dass für jeden zusätzlichen Blitz ein PocketWizard-Empfänger erforderlich ist.
Da sich der PW Sender im Blitzschuh der Kamera so verhält, als wäre er ein Speedlite Blitz, kann schon der der 430 EX auf der Kamera -quasi als Master- eingesetzt werden.
Bereits zum November soll der AC9 ZoneController fertig gestellt sein. Dieser kann dann alternativ in den Blitzschuh des Senders geschoben werden und ermöglicht die manuelle oder automatische Steuerung von drei unabhängigen Lichtgruppen über einfach zu bedienende Schalter.
Generell würde ich die persönliche Empfehlung aussprechen wollen, die m.E. schon beim "normalen" Einsatz von Systemblitzen gilt: Auf den Einsatz von Fremdherstellerblitzen sollte verzichtet werden. Diese können funktionieren, müssen es aber nicht...
Nicht unerwähnt solle es bleiben, dass die PW bei der Nutzung eines entsprechenden Kabels auch als Fernauslöser für Kameras eingesetzt werden können. Die von den "alten" PW bekannten Kabel können dazu verwendet werden. Der FlexTT5 verfügt über die entsprechenden Klinkenbuchsen. Das gilt auch für den Anschluss manueller Blitze.
Nicht nur kurze Belichtungszeiten...
...sondern auch viele Belichtungen pro Sekunde werden möglich. Eine entsprechend schnelle Kamera und schnelle Blitzladezeiten vorausgesetzt, sind bis zu 8 Blitzbilder mit den drahtlos angebundenen Blitzen möglich!
Weitere Möglichkeiten zur Optimierung des Blitzverhaltens
LPA Design bezeichnet die PW nicht nur als Funkauslöser mit E-TTL Funktion, sondern als "neue Plattform" für den Blitzeinsatz. Und neben der Möglichkeit zur ständigen Erweiterung der Funktionen per Firmwareupdate, kann in der Tat das Blitzverhalten in verschiedener Weise zusätzlich beeinflußt werden. So ist es beispielsweise möglich, die Blitzleistung bei der HSS zu erhöhen. Realisiert wird dies durch präzisere Steuerung des Blitzauslösesignals.
Fortsetzung folgt...
Der Bericht wird voraussichtlich am 21. September 2009 mit den Themen "Handhabung und Funktionstests" fortgesetzt.
Edit: Aus diesem Grund verschiebt sich die Veröffentlichung des 3. Teils auf Anfang 2010.





